Angst oder Angststörung: Woran du den Unterschied erkennst
Angst gehört zum Leben. Sie wird erst zum Problem, wenn sie dich dauerhaft einschränkt. Dieser Text hilft dir einzuordnen, wo du gerade stehst.
Warum Angst normal und nützlich ist
Angst ist ein Alarmsystem. Nimmt dein Gehirn eine Gefahr wahr, schüttet der Körper Stresshormone wie Adrenalin aus. Das Herz schlägt schneller, die Atmung wird flacher, die Muskeln spannen sich an, du schwitzt. Das ist keine Fehlfunktion, sondern ein uralter Schutzmechanismus, der dich bereit macht zu kämpfen oder zu fliehen.
Bei einer Angststörung läuft dieser Alarm, obwohl keine echte Gefahr besteht, oder er springt viel zu stark und zu lange an.
Woran du erkennst, dass Angst zum Problem wird
Mehrere der folgenden Punkte können ein Hinweis darauf sein, dass es sich um mehr als normale Angst handelt:
- Die Angst steht in keinem Verhältnis zur tatsächlichen Situation.
- Sie hält über Wochen oder Monate an oder kehrt immer wieder.
- Du vermeidest Orte, Situationen oder Menschen, aus Angst vor der Angst.
- Arbeit, Beziehungen oder Freizeit leiden darunter.
- Du hast körperliche Beschwerden wie Herzrasen, Schwindel oder Schlafprobleme, ohne dass die Ärztin oder der Arzt eine Ursache findet.
Ob wirklich eine Angststörung vorliegt, kann nur eine Fachperson feststellen. Dieser Text ist keine Selbstdiagnose.
Die häufigsten Formen
Generalisierte Angststörung
Du machst dir über viele Dinge ständig Sorgen, etwa Gesundheit, Geld oder Familie, und kannst diese Sorgen kaum abschalten. Oft kommen Unruhe, Verspannungen und Schlafprobleme dazu.
Panikstörung
Es treten wiederholt Panikattacken auf, oft scheinbar aus heiterem Himmel. Typisch ist die Angst vor der nächsten Attacke.
Soziale Angststörung
Du hast große Angst, von anderen bewertet oder blamiert zu werden, und meidest deshalb Gespräche, Auftritte oder Gruppen.
Phobien
Die Angst richtet sich auf etwas Bestimmtes, zum Beispiel Höhen, Spritzen, Tiere oder enge Räume. Bei einer Agoraphobie kommt die Angst vor Menschenmengen, öffentlichen Plätzen oder dem Alleinsein außer Haus dazu.
Wie verbreitet Angststörungen sind
Angststörungen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts erleben rund 15 Prozent der Erwachsenen in Deutschland innerhalb eines Jahres eine Angststörung. Du bist damit nicht allein, und sie lassen sich gut behandeln.
Was du jetzt tun kannst
- Sprich mit deiner Hausärztin oder deinem Hausarzt. Manche Beschwerden haben körperliche Ursachen, zum Beispiel eine Schilddrüsenüberfunktion oder Herzrhythmusstörungen. Das sollte geklärt sein.
- Führe ein kurzes Angsttagebuch. Notiere, wann die Angst auftritt, wie stark sie ist und was davor passiert ist. Das hilft bei der Einordnung und im Gespräch mit Fachleuten.
- Hol dir Unterstützung. Wie das geht, steht im Beitrag Angst behandeln.
Hinweis: Dieser Text informiert und ersetzt keine Diagnose, Beratung oder Behandlung durch Ärztinnen, Ärzte oder Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten.
Bei akuter Gefahr, Suizidgedanken oder starken körperlichen Beschwerden: Notruf 112. Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr erreichbar und kostenlos: 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222. Den ärztlichen Bereitschaftsdienst erreichst du unter 116 117.
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Quellen und weiterführende Informationen
- AWMF: S3-Leitlinie „Behandlung von Angststörungen“ (Registernummer 051-028), awmf.org
- Robert Koch-Institut: Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1)
- Terminservicestelle und ärztlicher Bereitschaftsdienst: 116117.de
- Telefonseelsorge: telefonseelsorge.de
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